
Rund ums Zillertal
Törggelen in Tirol: Herbstgenuss mit Kastanien und jungem Wein
Törggelen in Tirol ist der geselligste Brauch des Herbstes: junger Wein, gebratene Kastanien, Speck und deftige Bauernkost, dazu eine Runde, die länger sitzen bleibt als geplant. Ursprünglich stammt das Törggelen aus Südtirol, wo es zur Weinlese gehört – doch die Idee hat längst über den Brenner gefunden und wird auch in Nordtirol als herbstlicher Genussabend gepflegt. Dieser Ratgeber erklärt, woher der Brauch kommt, was auf den Tisch gehört, wann Törggelen-Zeit ist und wie ein solcher Abend abläuft.
Was bedeutet Törggelen?
Törggelen ist ein herbstlicher Brauch, bei dem man nach der Weinlese einkehrt, um den jungen Wein zu verkosten – begleitet von gebratenen Kastanien, Speck, Käse, Schlutzkrapfen, Gerstsuppe und Krapfen. Der Name geht auf die Weinpresse zurück, die im Dialekt „Torggl" heißt. Die Törggelezeit reicht etwa von Ende September bis in den Advent, mit dem Höhepunkt im Oktober und November. Ursprünglich ein Südtiroler Brauch, wird er heute in ganz Tirol als geselliger Herbstabend gepflegt.
Was Törggelen eigentlich ist
Im Kern ist Törggelen keine Speisenfolge, sondern eine Gelegenheit. Nach der Lese war der neue Wein da, die Ernte eingebracht, die Arbeit des Jahres im Wesentlichen getan – und die Bauern luden ein, den jungen Wein zu probieren. Was dazu gereicht wurde, war das, was Hof und Keller hergaben: Speck, Käse, Brot, Kastanien aus den Wäldern, später auch warme Gerichte.
Genau diese Bodenständigkeit macht den Reiz aus. Törggelen ist kein Menüabend mit Gängen und Weinbegleitung, sondern ein langes, unkompliziertes Beisammensein mit einfachen, kräftigen Speisen. Man sitzt eng, isst mit den Fingern, redet laut, und irgendwann singt jemand.
Woher der Brauch kommt
Der Ursprung liegt in Südtirol, vor allem im Eisacktal, wo Weinbau und Kastanienhaine unmittelbar nebeneinander liegen. Der Name kommt vom „Torggl", der Weinpresse – das Verb beschrieb ursprünglich den Gang zum Presshaus, um den neuen Wein zu kosten. Traditionell führte der Weg über den Kastanienweg von Hof zu Hof, und aus dem Kosten wurde ein Abend.
Wichtig zu wissen: Nordtirol ist kein Weinbaugebiet. Was hier als Törggelen stattfindet, ist eine Adaption – die Idee wurde übernommen, der junge Wein kommt aus südlicheren Regionen. Das schmälert den Abend nicht, sollte man aber wissen, bevor man einen Buschenschank wie im Eisacktal erwartet.
Wann Törggelen-Zeit ist
Die Saison beginnt mit der Weinlese und endet traditionell mit dem Advent:
| Zeitraum | Charakter | Gut zu wissen |
|---|---|---|
| Ende September | Auftakt nach der Lese | Noch mild, teils draußen möglich |
| Oktober | Hauptzeit | Kastanien frisch, Wetter oft stabil |
| November | klassische Stubenzeit | Früh dunkel – der ideale Törggele-Monat |
| Anfang Dezember | Ausklang | Mit dem Advent endet die Saison |
Der November ist der eigentliche Törggele-Monat: Wenn es um fünf dämmert und im Tal der Nebel hängt, kommt ein Abend in der warmen Stube zu seinem Recht. Was in dieser Jahreszeit sonst im Tal läuft, steht in unserem Beitrag zur Zwischensaison im Zillertal.
Was auf den Tisch kommt
Die Speisenfolge ist über die Jahrhunderte erstaunlich stabil geblieben:
- Gerstsuppe – der warme Auftakt, mit Speck und Wurzelgemüse.
- Speck, Kaminwurzen, Käse – die kalte Platte, das Herzstück jeder Törggele-Runde.
- Schlutzkrapfen – gefüllte Teigtaschen mit Spinat und Topfen, mit brauner Butter und Parmesan.
- Sauerkraut mit Geselchtem oder Hauswürsten – der deftige Hauptgang.
- Gebratene Kastanien – die „Keschtn", über offenem Feuer geröstet. Ohne sie ist es kein Törggelen.
- Krapfen – süß gefüllt mit Mohn, Kastanien oder Marmelade, zum Abschluss.
Dazu der junge Wein, im Dialekt „Nuier" oder „Sußer" – noch trüb, wenig Alkohol, süffig. Genau diese Süffigkeit ist der Grund für die häufigste Warnung des Abends: Er trinkt sich leichter, als er ist.
Wer die Küche dahinter näher kennenlernen möchte, findet in unserem Ratgeber zu traditionellem Tiroler Essen im Zillertal eine Einführung, und der Beitrag über regionale Spezialitäten zeigt, worauf es bei der Herkunft ankommt.
Wie ein Törggele-Abend abläuft
Es gibt kein Programm, aber ein Muster. Man kommt am späten Nachmittag oder frühen Abend zusammen – früher als bei einem normalen Restaurantbesuch, weil der Abend Zeit braucht. Es beginnt mit der Suppe, dann kommt die kalte Platte auf den Tisch, an der sich alle bedienen. Der junge Wein läuft von Anfang an mit.
Später folgen die warmen Gerichte, irgendwann die Kastanien, und dann bleibt man einfach sitzen. Törggelen ist ein Abend ohne Uhrzeit – wer nach zwei Stunden wieder aufbricht, hat den Punkt verfehlt.
Traditionell wird gesungen. Das muss nicht organisiert sein, ergibt sich aber in einer guten Runde von selbst – ein Grund, warum sich der Brauch besonders für Vereine, Betriebe und Freundeskreise eignet.
Törggelen nördlich des Brenners
Im Zillertal und im übrigen Nordtirol findet man Törggelen als Themenabend – in Gasthäusern, bei Vereinsrunden und als Betriebsausflug. Der Wein kommt zugekauft, die Speisen folgen dem Vorbild, und die Geselligkeit funktioniert genauso.
Praktisch ist das vor allem für Gruppen: Törggelen ist von der Anlage her ein Gemeinschaftsessen. Platten in der Mitte, alle bedienen sich, niemand wartet auf seinen Teller – das funktioniert bei zwölf Personen ebenso wie bei achtzig. Wer im Herbst ohnehin eine Feier plant, findet in unseren Beiträgen zum Saisonabschluss im Zillertal und zum Jahresabschluss mit dem Verein die passenden Hinweise.
Herbstabend in großer Runde
Unser Saloon in Aschau ist für lange Abende gemacht – mit Platz für kleine Runden ebenso wie für bis zu 200 Gäste.
Tipps für den Abend
- Früh anfangen. Törggelen braucht Zeit. Ein Beginn um 17 oder 18 Uhr ist üblich, nicht um 20 Uhr.
- Den jungen Wein ernst nehmen. Er schmeckt harmlos und ist es nicht. Wasser dazwischen ist keine Schwäche.
- Heimfahrt vorher klären. Sammeltaxi oder Fahrdienst organisieren, bevor der Abend beginnt.
- Hunger mitbringen. Die Speisenfolge ist üppig und kommt in Etappen. Wer sich an der kalten Platte übernimmt, verpasst den Rest.
- Gruppe rechtzeitig anmelden. Törggele-Abende werden im Herbst gern gebucht – für größere Runden früh anfragen.
- Öffnungszeiten prüfen. In der Zwischensaison hat nicht jedes Haus durchgehend offen. Der Google-Eintrag des Betriebs ist tagesaktuell.
Fazit
Törggelen ist der Beweis, dass die besten Bräuche aus praktischen Anlässen entstehen: Der Wein war fertig, die Ernte eingebracht, also setzte man sich zusammen. Übrig geblieben ist ein Abend, der ohne Programm auskommt und trotzdem funktioniert – junger Wein, Kastanien, deftige Kost und eine Runde, die bleibt. Wer im Zillertaler Herbst einen geselligen Abend sucht, findet in dieser Form eine der wärmsten Möglichkeiten, die die Jahreszeit zu bieten hat.
Was sonst im Zillertaler Herbst kulinarisch lohnt, haben wir im Beitrag Essen gehen im Zillertal im Herbst zusammengestellt.
Gut zu wissen
Häufige Fragen zum Törggelen
Vom „Torggl", der Weinpresse im Dialekt. Ursprünglich beschrieb das Wort den Gang zum Presshaus, um den jungen Wein zu verkosten. Aus dem Kosten wurde mit der Zeit ein ganzer geselliger Abend.
Etwa von Ende September bis in den Advent, mit dem Höhepunkt im Oktober und November. Der November gilt vielen als der eigentliche Törggele-Monat, weil die frühe Dunkelheit den Abend in der warmen Stube besonders passend macht.
Typisch sind Gerstsuppe, eine kalte Platte mit Speck, Kaminwurzen und Käse, Schlutzkrapfen, Sauerkraut mit Geselchtem, gebratene Kastanien und zum Abschluss Krapfen. Dazu wird junger Wein getrunken.
Ja, als Adaption. Nordtirol ist kein Weinbaugebiet, der junge Wein wird zugekauft. Speisenfolge und Geselligkeit folgen aber dem Südtiroler Vorbild, und Törggele-Abende sind hier als herbstliche Gruppen- und Vereinsabende verbreitet.
Sehr gut sogar. Die Speisen kommen auf Platten in die Mitte, alle bedienen sich – niemand wartet auf einen einzelnen Teller. Das funktioniert bei zwölf Personen genauso wie bei einer großen Gesellschaft und macht den Abend zu einem beliebten Format für Vereine und Betriebe.